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Geschichte

Gegründet 1908 als Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose, hat sich LUNGE ZÜRICH zu einem Kompetenzzentrum für saubere Luft und gesunde Lungen entwickelt.

1850–1950: Die Schweiz im Klammergriff der Tuberkulose
Die monumentalste Aufgabe des 20. Jahrhunderts besteht in der Bekämpfung der Tuberkulose (TB). Im Durchschnitt der Jahre 1901/02 ist die Tuberkulose bei 57.2 Prozent der verstorbenen 15- bis 19-Jährigen und bei 48.1 Prozent der 20- bis 39-Jährigen die Todesursache. Um 1900 gehen ein Siebtel aller Todesfälle in der Schweiz auf das Konto der Tuberkulose.

Ab 1865: Alexander Spengler (1827–1901)

Der Mediziner Alexander Spengler feiert in Davos bahnbrechende Erfolge in der Behandlung und Heilung von Tuberkulose. Spengler wird mit der berühmten «Davoser Liegekur» zum Gründer des Höhen- und Lungenkurortes Davos.


Ab 1882: Robert Koch (1843–1910)

Der Arzt und Bakteriologe Koch entdeckt die Tuberkulosebakterien. Der Erreger der gefürchteten Infektionskrankheit ist gefunden. Acht Jahre später verkündet Koch, er habe ein Heilmittel gegen Tuberkulose gefunden. Tuberkulin, ein Filtrat aus TB-Bazillenkulturen, soll das neue Heilmittel gegen die Volksseuche sein und zugleich als Impfung wirken. Die Wirksamkeit ist äusserst umstritten. Nicht selten bringt die Anwendung des Serums eine Verschlimmerung des Gesundheitszustandes mit sich.

1895–1923: Carl Spengler (1860–1937)
Robert Koch holt den Mediziner Carl Spengler, Sohn von Alexander Spengler, an sein Institut nach Berlin. Während seiner Arbeit mit Robert Koch an dessen Tuberkulin entdeckt Spengler die Bedeutung der Mischinfekte. Koch übergibt sein Original-Tuberkulin an Carl Spengler zur umfangreichen bakteriologischen Forschung. Spengler entwickelt das «Spenglersan Kolloid T», welches mit grossem Erfolg zur TB-Behandlung eingesetzt wird. 1923 stiftet Carl Spengler einen Wanderbecher für ein internationales HC-Turnier. Der Spengler-Cup steht für «ein völkerverbindendes Kräftemessen und eine Förderung der internationalen Sportbeziehungen und Kontakte nach dem schrecklichen Völkerringen des 1. Weltkrieges».

1908: Gründung der Zürcher kantonalen Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose
Gründung der Zürcher kantonalen Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose, des heutigen Vereins Lunge Zürich. Die Hauptaufgaben: Früherfassung und Eliminierung von TB-Infektionsherden, Aufklärung, Beratung und Betreuung von TB-Betroffenen und ihren Angehörigen sowie die gezielte Aufklärung der Bevölkerung.

1922: Bundessubventionen helfen Not lindern
Die Lungenliga erhält nebst finanziellen Zuwendungen von Kanton und Gemeinden erstmals auch Bundessubventionen. Sechs Jahre später erlässt der Bund das «Bundesgesetz über Massnahmen in der Tuberkulose-Bekämpfung». In der Folge kommt es zur Gründung kantonaler Lungenligen in der ganzen Schweiz.

1933: 25 Jahre Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose
Die geleistete Arbeit von Ärzteschaft, Lungenligen und Behörden zeigt Früchte. Die Tuberkulose-Sterblichkeit im Kanton Zürich kann um 50 Prozent reduziert werden.

Ab 1943: Selman Abraham Waksman (1888–1973)

Der Mikrobiologe und Bakteriologe entdeckt das Streptomycin, wofür er 1952 den Nobelpreis erhält. Zwei Jahre später wird die Paraaminosalicylsäure (PAS) in der TB-Behandlung eingeführt. Streptomycin und PAS bilden nun für einige Jahre die einzige medikamentöse Möglichkeit, gegen die TB vorzugehen. Es entwickeln sich rasch resistente Keime. 1950/51 entdecken verschiedene Forschergruppen fast gleichzeitig das Isonikotylhydrazin (INH). Die Heilungsquote für TB-Kranke steigt von 42 auf 85 Prozent.

1943–1988: Erfolgreiche Prävention – Schirmbildwagen und BCG-Impfung
1943 befiehlt die Armee die obligatorische Durchleuchtung der Lunge. Bei Ärzten, Behörden und Lungenligen herrscht Einigkeit darüber, dass diese einfache Schutzmassnahme der gesamten Bevölkerung angeboten werden sollte. Im 3-Jahres-Rhythmus rollt ab 1946 der Schirmbildwagen durch den ganzen Kanton, um TB-Kranke zu ermitteln. Ab 1946 steht der Bevölkerung zudem die freiwillige BCG-Impfung zur Verfügung. Klein- und Schulkinder sowie Personen, die mit Tuberkulosen häufig in Kontakt kommen, werden geimpft. Diese Präventionsmassnahmen werden von den Lungenligen organisiert und durchgeführt.

1946: Die Lungenliga Zürich initiiert den 1. Ärztefortbildungskurs
Dr. Albert Wernli-Hässig, Präsident der Lungenliga Zürich, initiiert und organisiert den ersten Ärztefortbildungskurs. Prominente Universitäts-DozentInnen referieren über Behandlung der Tuberkulose sowie neue Medikamente und Therapien. Durchführungsort ist anfänglich Arosa, ab 1979 Davos. Nach dem Sieg der Medizin über die Tuberkulose weiten die Kursverantwortlichen die Themenkreise auf unspezifische Lungen- und andere Krankheiten aus.

Ab 1972: Umorientierung und Übernahme neuer Aufgaben
Die rapide sinkenden Zahlen von TB-Kranken zwingen die Lungenligen zum Umdenken. Auf dringenden Wunsch der Ärzteschaft übernimmt die Lungenliga Zürich zusätzliche Aufgaben in der Behandlung nicht tuberkulöser Lungen- und Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, Bronchitis, Lungenemphysem oder Lungenkrebs. Neue Hauptaufgaben sind die Beratung und Betreuung von Menschen mit Atemwegs- oder Lungenkrankheiten und die Abgabe und Instruktion von Atemhilfsgeräten (Inhalations- und Respirationsgeräten).

1991: Lancierung der Aktion LuftiBus
Erster Auftritt des LuftiBus an der Heureka in Zürich. Hauptaufgabe des Lungenfunktions- und Informationsbusses der Lungenliga Zürich ist die Prävention und Früherkennung von Atemwegserkrankungen.

2000: Steigende Patientenzahlen

Die Lungenliga betreut gegen 10'000 Patienten pro Jahr. Die Zahl der Betroffenen hat sich innert 10 Jahren verdoppelt. Der Bestand an Atemtherapiegeräten steigt auf 7200 Geräte. Zudem besuchen über 8500 Menschen den LuftiBus. Demgegenüber stehen 300 Tuberkulosekranke, welche von der Lungenliga Zürich betreut werden. Gesamtschweizerisch betreuen die Lungenligen heute fast 70'000 Menschen.

2001: 40. Ärztefortbildungskurs in Davos
Die Lungenliga organisiert zum 40. Mal den Ärztefortbildungskurs im Kongresszentrum in Davos. Rund 600 Ärzte aus der deutschsprachigen Schweiz nehmen am Grossanlass teil. Der 40. Ärztekongress beginnt mit einer Gedenkfeier zum 100. Todestag von Dr. Alexander Spengler, dem Begründer des Höhen- und Lungenkurortes Davos.

2001: Fusion von Stadt und Kanton
Die beiden bislang getrennt geführten Vereine Lungenliga der Stadt Zürich und Lungenliga Kanton Zürich fusionieren zur Lungenliga Zürich. Ausgeklammert bleiben die Bezirke Winterthur und Andelfingen, welche weiterhin in eigenständiger Rechtsform funktionieren. In Zeiten gesteigerten Kostenbewusstseins werden mit diesem Schritt wertvolle Synergien geschaffen.

2002: Regionalisierung
Über den ganzen Kanton werden gemeinsam mit der Liga Winterthur vier Regionen gebildet. Die Beratung und Betreuung der Patienten soll damit noch direkter und dienstleistungsfreundlicher gestaltet werden.

2004: Fusion Zürich und Winterthur
2004 schliessen sich die Lungenliga der Bezirke Winterthur und Andelfingen sowie die Lungenliga Zürich zusammen. Neu gibt es im Kanton Zürich also nur noch eine Lungenliga.

2006: Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen»

Am 26. Juni 2006 reicht die Lungenliga Zürich die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» mit über 26'000 Unterschriften ein. Die Volksinitiative verlangt rauchfreie Gastronomiebetriebe im Kanton Zürich.

2008: Erfolge zum 100-Jahre-Jubiläum
Am 1. Juli 2008 eröffnet die Lungenliga Zürich in Uster ihre dritte Beratungsstelle im Kanton.
Am 28. September 2008 stimmt das Zürcher Stimmvolk 28. September 2008 über die Volksinitiative für rauchfreie Restaurants ab und nimmt diese mit deutlicher Mehrheit an.
Am 29. November 2008 feiert die Lungenliga Zürich mit einem Jubiläumsanlass ihr 100-jähriges Bestehen.
LUNGE ZÜRICH hat zum 100-Jahre-Jubiläum eine umfassende Chronik sowie eine Kurzfassung von dieser veröffentlicht: weitere Informationen


2010: Von der Lungenliga zur LUNGE ZÜRICH
Die Lungenliga Zürich lanciert am 50. Ärztefortbildungskurs in Davos die neue Marke LUNGE ZÜRICH. Nach mehr als hundert Jahren steht nicht mehr eine Krankheit – die Tuberkulose – im Vordergrund, und auch nicht die Organisation – die Lungenliga. Vielmehr wird das Engagement für saubere Luft auf den Punkt gebracht: Es geht um die Lunge, die LUNGE ZÜRICH.