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Häufige Fragen

 

Was ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)?

Das OSAS ist ein Krankheitsbild mit Schnarchen, Atempausen während des Schlafs und vermehrter Tagesmüdigkeit. Die Krankheit zeigt sich typischerweise bei leicht übergewichtigen Männern mittleren Alters. Die Ursache besteht in einem zeitweiligen Verschluss der Luftwege im Bereich des weichen Gaumens (Nasopharynx) und des Rachens (Oropharynx). Häufiges, kurzes und unbewusstes Erwachen sind direkte Folgen der Atemstörung. Der Verschluss der oberen Luftwege ist das Resultat des verminderten oropharyngealen Muskelspannung im Schlaf, der verminderten Lumenweite bei Adipositas (Übergewicht) oder angeborener Fehlbildung sowie der vermehrten Atemarbeit bei Adipositas oder bei Lungen- oder Brustwand-Erkrankungen.

 

Wie häufig ist ein OSAS?

In den USA wurde bei 2 Prozent der Frauen und 4 Prozent der Männer im Alter von 30 bis 60 Jahren ein «therapiebedürftiges» OSAS gefunden. Sie klagten alle über Tagesmüdigkeit und zeigten einen Apnoe-Hypopnoe-Index >= 5. Vergleichbare Daten aus der Schweiz fehlen.

 

Nimmt diese Zahl noch zu?

Ja, eine der Ursachen von Schlafapnoe ist das Übergewicht. Leider nehmen auch bei uns die übergewichtigen Menschen zu.

 

Was ist das so genannte Upper-Airway-Resistance-Syndrome (UARS)?

Während beim OSAS die oberen Luftwege zeitweise vollständig verschlossen sind, kommt es beim UARS nur zu einem unvollständigen Verschluss mit Erhöhung des Atemwegswiderstandes, verbunden mit Schnarchgeräuschen wie beim gewöhnlichen Schnarchen. Häufiges, kurzes und unbewusstes Erwachen und eine vermehrte Einschlafneigung tagsüber sind die direkten Folgen. Die Behandlung unterscheidet sich nicht von derjenigen des OSAS.

 

Wie entsteht das Schnarchgeräusch?

Das Schnarchgeräusch entsteht durch die Vibration des Halszäpfchens (Uvula) und der übrigen Rachenweichteile bei erhöhtem Atemwiderstand in der Nase und vermindertem Muskeltonus der oro-pharyngealen Muskulatur während des Schlafes. Dabei können sehr störende Geräusche von bis zu 87.5 Dezibel (Guiness Book 1990) entstehen.

 

Wie häufig ist Schnarchen?

In einer Zufallsauswahl von Erwachsenen (Studie Young) schnarchten bei den Frauen 25 Prozent der 30- bis 39-jährigen und 31 Prozent der 40- bis 60-jährigen. Bei den Männern schnarchten 35 Prozent der 30- bis 39-jährigen und 53 Prozent der 50- bis 60-jährigen. Dabei litten deutlich mehr regelmässige Schnarcher an einem OSAS als nur gelegentlich oder nie schnarchende Erwachsene (7 Prozent der regelmässig schnarchenden Frauen und 17 Prozent der Männer).

 

Welches sind die häufigsten Symptome bei einem OSAS?

  • Penetrantes und lautes Schnarchen
  • Erschöpfung, Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit
  • Beobachtete nächtliche Atemstillstände mit Ringen nach Luft
  • Ernsthafte Herzprobleme
  • Gedächtnis- und Orientierungslücken
  • Sexuelle Probleme

 

Welches sind die Folgen des OSAS?

Die Folgen im privaten wie auch im beruflichen Bereich sind zahlreich. So wurde über psychologische Veränderungen wie Reizbarkeit, Ungeduld oder depressive Verstimmtheit berichtet. Im Weiteren wurden kognitive Defizite wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen festgestellt. Zudem verursachen OSAS-Patienten im Vergleich zu gesunden Personen zwei- bis dreimal häufiger Verkehrsunfälle. Neben den neuropsychologischen Komplikationen spielen auch die kardiovaskulären Folgen eine wichtige Rolle. 50–60 Prozent der OSAS-Patienten leiden an einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck). Umgekehrt findet sich bei 20–30 Prozent der Patienten mit Hypertonie ein OSAS. Bei etwa 20 Prozent der OSAS-Patienten wird eine pulmonal-arterielle Hypertonie festgestellt. Bei 50 Prozent der Patienten treten während des Schlafes kardiale Arrhythmien auf. Im Weiteren ist bei OSAS die Morbidität und Mortalität an kardiovaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen signifikant erhöht.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

CPAP-Geräte helfen durch Überdruckbeatmung gefährliche Atemausfälle während der Nacht zu verhindern. Die dynamische Kompression der schlaffen Atemwege im Bereich des weichen Gaumens kann durch eine pneumatische Schienung mittels eines leichten Überdruckes von in der Regel zwischen 5 und 15 cm Wassersäule sofort behoben werden. Der Patient trägt dazu eine kleine Nasenmaske oder zwei Nasenstöpsel, welche mit einer kleinen Nachtmütze oder Bändern am Kopf befestigt werden. Der Überdruck wird durch einen kleinen geräuscharmen Kompressor erzeugt und mittels eines Schlauchsystems zugeführt. Anfänglich waren die Geräte nur in der Lage, einen fix eingestellten Druck aufrecht zu erhalten. Inzwischen sind auf dem Markt Geräte erhältlich, mit welchen sich der Überdruck computergesteuert den veränderten Widerstandsverhältnissen im Nasenrachenraum anpassen lässt. Schnarchgeräusche und Apnoen lassen sich so dauernd verhindern. Per Ende 2008 wurden in der Schweiz von den Lungenligen rund 25'000 CPAP-Geräte für Schlafapnoe-Patienten ausgemietet. Die Tendenz ist steigend.

 

Welches sind die Nebenwirkungen der CPAP-Therapie?

30 bis 50 Prozent der Patienten fühlen sich anfänglich durch die Maske gestört und haben insbesondere Probleme mit dem Austrocknen der Nasenschleimhäute. Dem lässt sich mit befeuchtenden Nasensalben, allenfalls kortisonhaltigen Nasensprays und der Befeuchtung der CPAP-Druckluft entgegenwirken. Schwere Nebenwirkungen wie Hautunverträglichkeit der verwendeten Kunststoffmaterialien oder stärkere Nasenschleimhautreizungen sind selten. Hauptursache für die Nebenwirkungen ist oft eine zu wenig exakte Einstellung des CPAP-Druckes.

 

Kann ich wieder einmal ohne CPAP-Gerät schlafen?

Ja, es ist möglich, falls die Ursache Ihrer Erkrankung Übergewicht ist. Dann können Sie mit einer Normalisierung Ihres Gewichtes wieder ohne CPAP-Gerät schlafen.

 

Was passiert, wenn ich das CPAP-Gerät nicht regelmässig benutze?

Dies führt wieder zum Erscheinen typischer Symptome wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen etc. mit allen Konsequenzen. Wird die Schlafapnoe nicht behandelt, treten Langzeitschäden wie Herzinfarkt, Hirnschlag sowie familiäre und soziale Problem auf.

 

Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten?

Leider gibt es noch keine Medikamente. Schon erwähnt haben wir die Normalisierung des Körpergewichtes. In gewissen Fällen können Zahnspangen oder chirurgische Eingriffe Abhilfe schaffen. Ihr Arzt wird Sie diesbezüglich beraten.

 

Wie lässt sich eine gute Compliance erreichen?

Die sorgfältige Instruktion während ein bis zwei Nächten im spezialisierten Labor mit Demonstration des Therapieeffektes anhand der persönlichen Messergebnisse sowie die Nachkontrolle nach höchstens ein bis drei Monaten sind entscheidend für die Langzeitcompliance. Diese kann bei regelmässigen ambulant durchzuführenden technischen Kontrollen anhand eines im Gerät eingebauten Stundenzählers leicht überprüft werden. Gut angepasste Masken und Informationen über Möglichkeiten, wie die relativ häufigen Nebenwirkungen zu vermeiden sind, sowie natürlich die optimale Druckeinstellung verbessern die Compliance.

 

Was sind die anamnestischen/klinischen Warnzeichen für ein OSAS?

Wenn die drei Fragen «Schnarchen Sie?» «Nicken Sie gegen Ihren Willen während des Tages ein?» «Hat Ihr/e Partner/in bei Ihnen Atempausen bemerkt?» alle positiv beantwortet und bestenfalls durch eine Partneranamnese bestätigt werden können, so besteht ein Verdacht auf OSAS. Dieser wird umso grösser, wenn es sich um Männer über 40 Jahre mit Hypertonie und einer Kragenweite >= 42 handelt.

 

Wie kann das OSAS definitiv diagnostiziert werden?

Schwere und mittelschwere Fälle können mittels Screening-Untersuchungen (Fingeroxymetrie, respiratorische Polygrafie) während der Nacht vom Spezialarzt mit einiger Sicherheit diagnostiziert werden. Der Ausschluss eines leichten OSAS oder eines UARS ist jedoch erst mittels vollständiger Polysomnografie mit Detektion der Weckreaktionen im EEG möglich. Jeder behandlungsbedürftige Patient sollte deshalb mindestens einmal vor oder während der ersten Behandlungsmonate für eine Polysomnografie einem spezialisierten Schlaflabor zugewiesen werden.

 

Wie aufwändig ist eine OSAS-Abklärung?

Während sich die Fingeroxymetrie und respiratorische Polygrafie auch ambulant zuhause durchführen und anschliessend von Spezialärzten ausgewerten lässt, muss die Polysomnografie (direkte Beobachtung des Patienten, allenfalls mittels Videokamera) wegen der Komplexität der Ableitungen und zum Ausschluss von anderen Schlafstörungen während ein bis zwei Nächten stationär durchgeführt werden. Auch die CPAP-Druckeinstellung muss vorerst noch stationär erfolgen, da nur so die für jeden Patienten individuell optimale Druckeinstellung ermittelt werden kann.

 

Was unterscheidet gewöhnliches vom gefährlichen Schnarchen?

In der Anamnese muss vor allem nach subtilen Zeichen von vermehrter Einschlafneigung tagsüber geachtet werden (zum Beispiel beim Autofahren, bei monotonen Tätigkeiten, abends zuhause). Zusätzliche klinische Zeichen wie Hypertonie, Adipositas, Kieferanomalie, grosse fleischige Uvula etc. weisen ebenfalls in Richtung gefährliches Schnarchen (OSAS oder UARS). Ganz entscheidend ist die Partner-Anamnese mit wiederholt beobachteten Apnoen von länger als zehn Sekunden, auch in Nächten ohne Einnahme von Alkohol oder Schlafmedikamenten. Die definitive Unterscheidung ist nur mittels respiratorischer Polygrafie (Nachweis eines OSAS) und/oder Polysomnografie (Nachweis eines UARS oder von anderen Schlafstörungen) möglich.

 

Ist das OSAS vererbt?

Insbesondere bei den nicht übergewichtigen OSAS-Patienten finden sich bei Familienangehörigen ebenfalls gehäuft schlafbedingte Atemstörungen. Die Ursache liegt wahrscheinlich in ungünstigen anatomischen Verhältnissen im Bereich des Gesichtsschädels. Die genaue Ursache ist aber noch nicht bekannt.

 

Wie ist die Lebenserwartung bei OSAS?

Es gibt unseres Wissens nur eine Untersuchung, welche unbehandelte OSAS-Patienten über längere Zeit beobachtet hat. Von den 104 Patienten mit einem Apnoe-Index grösser als 20, im Mittel 46, lebten nach fünf Jahren noch 87 Prozent und nach acht Jahren nur noch 63 Prozent der Patienten. Bei Patienten mit CPAP-Behandlung überlebten alle untersuchten OSAS-Patienten die gesamte Untersuchungsdauer von 8 Jahren. Lebensversicherer rechnen wegen des gleichzeitig erhöhten Risikos kardiovaskulärer Erkrankungen auch bei behandelten OSAS-Patienten mit einer Übersterblichkeit.

 

Letzte Aktualisierung: Januar 2011