Ein Patient berichtet: Reisen mit Sauerstofftherapie

Der mobile Sauerstoffkonzentrator ist seit eineinhalb Jahren ein Wegbegleiter von Rolf Böhlen. Im Juni hat er diesen zum ersten Mal auf eine Flugreise mitgenommen. Im Interview berichtet er von seinen Reisevorbereitungen und gibt Tipps für Flugreisen mit Sauerstoff. 


Herr Böhlen, Sie sind im vergangenen Juni nach Teneriffa in die Ferien geflogen. War es Ihre erste Flugreise mit Sauerstoff?
Es ist in meinem Freundeskreis Tradition, dass wir einmal jährlich ans Meer in den Urlaub fahren. Die Diagnose idiopathische Fibrose erhielt ich bereits vor fünf Jahren, aber bisher habe ich während des Flugs noch nie zusätzlichen Sauerstoff benötigt. Der Flug nach Teneriffa war diesbezüglich quasi eine Premiere. 

Wie sind Sie bei der Organisation der Sauerstoff-Ferienversorgung vorgegangen?
Ich liess mich etwa zwei Monate vor Abflug bei LUNGE ZÜRICH telefonisch zu den verschiedenen Optionen für die Sauerstoffversorgung im Urlaub beraten. Ich entschied mich zusätzlich zu meinem akkubetriebenen, mobilen Sauerstoffkonzentrator noch einen Konzentrator für die Nacht zu mieten. Bei meinem mobilen Gerät wird Sauerstoff nur beim Einatmen abgegeben, das spart Akku. Das Gerät für die Nacht versorgt mich hingegen konstant mit Sauerstoff und wird an einer Steckdose mit Strom betrieben. Für das mobile Gerät erhielt ich ausserdem einen zusätzlichen Akku sowie das entsprechende Ladegerät. Für den Fall, dass ich am Flughafen kontrolliert werden sollte, bestätigte eine Zoll-Bescheinigung auf Englisch von LUNGE ZÜRICH die Notwendigkeit der Geräte.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie mit der Fluggesellschafft Kontakt aufgenommen?
Etwa einen Monat vor Abflug habe ich zusammen mit meinem Arzt das Formular zur Bestimmung der Flugreisetauglichkeit ausgefüllt und eingereicht. Das Formular konnte ich online herunterladen, darauf wird deklariert, dass ich gesundheitlich genug fit für die Reise bin und beschrieben, welche Sauerstoffgeräte mittransportiert werden. 

Was müssen Sauerstoff-Patienten am Flughafen beachten?
Die Sicherheitskontrollen können etwas länger als üblich dauern. Aufgrund mobilen Sauerstoffgeräte piepsen die Metalldetektoren natürlich wie wild und eine Personenkontrolle ist somit unvermeidbar. Die Wege zu den Abfluggates können ausserdem lang und Pausen notwendig sein. Daher ist mein wichtigster Rat: Genug Zeit einplanen, denn man möchte ja nicht gestresst in den Urlaub starten. 

Planen Sie am Flughafen genug Zeit ein und legen Sie Pausen zwischendurch ein.

Wie haben Sie den Flug empfunden?
Ich durfte zusammen mit einem Kollegen vor allen anderen Passagieren einsteigen, weswegen das Feriengerät, welches als Handgepäck mittransportiert werden durfte, in aller Ruhe in der Gepäckablage über den Sitzen verstaut werden konnte. Ich hatte ausserdem ein Pulsoximeter bei mir, um die Sauerstoffsättigung im Blut messen zu können. Als ich merkte, dass der Sauerstoffgehalt aufgrund der Höhe etwas zu tief ist, konnte ich die Sauerstoffzufuhr an meinem mobilen Gerät entsprechend erhöhen. Das Einzige, was ich als etwas mühsam empfand, war der Gang zur Toilette. Aufgrund der Höhe und der dünnen Luft war insbesondere das Aufstehen sehr anstrengend. Daher ist es auch hier wichtig, sich genug Zeit zu lassen und beim Laufen Pausen einzulegen. 

Auf was achten Sie bei der Buchung einer Ferienunterkunft?
Der Weg zur Rezeption sollte nicht allzu weit sein und ein Lift zum Hotelzimmer wäre wünschenswert. Ich habe zudem ein Verlängerungskabel mitgenommen, damit ich das Feriengerät ausser Hörweite aufstellen konnte. 

Würden Sie wieder mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen?
Ja, mit der richtigen Vorbereitung sind Flugreisen und entspannte Ferien mit Sauerstoff durchaus möglich.

Reise-Tipps von Rolf Böhlen

  • Adapter, Verlängerungskabel und Ersatzschlauch sowie Sauerstoffbrillen einpacken
  • Betriebsanleitungen der Sauerstoffgeräte mitnehmen
  • Vor Abreise prüfen, ob Fehlermeldungen auf den Geräten angezeigt werden. Wenn ja: Mit LUNGE ZÜRICH in Kontakt treten
  • Vor Abreise Akkus ganz aufladen
  • Zollbrief auf Englisch von LUNGE ZÜRICH im Handgepäck mitführen
  • Genug Zeit am Flughafen einplanen, rechnen Sie mit bis 30 Minuten Mehrzeit
  • Pulsoximeter im Flugzeug dabeihaben, Sauerstoffbedarf im Flugzeug aber im Voraus mit dem Arzt oder einer diplomierten Pflegefachperson von LUNGE ZÜRICH besprechen
  • Notfallnummern auf dem Handy speichern oder entsprechende Liste mit sich führen 

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Zuletzt geändert:
9. Juli 2019