Sexualität ist Teil der Lebensqualität

Ein positives Gesundheitsverhalten mit einem guten Krankheitsmanagement, regelmässiger Bewegung oder ausgewogener Ernährung wirken sich positiv auf eine gute Lebensqualität aus. Dabei ist es längst kein Geheimnis mehr, dass sich auch ein erfülltes Sexualleben massgeblich auf die Lebensqualität auswirkt. Und doch wird das Thema im konkreten Fall häufig von Seiten Ärzte und Patienten gemieden.

Studie SEXY-COPD

Wie das entspannte Ansprechen der Sexualität im Zusammenhang mit COPD bei Betroffenen und Betreuern initiiert werden kann, hat ein Team des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI) der Universität Zürich zusammen mit namhaften Experten wissenschaftlich untersucht. In einem Fragebogen wurden 25 COPD-Patienten und 36 Ärzte und andere Gesundheitsexperten befragt.

 

Intimität und Sexualität gehören zur Lebensqualität im gesamten Lebensspektrum. Es ist immer möglich, Lust zu empfinden. Allenfalls muss einfach die Art und Weise dem aktuellen Lebensumstand angepasst werden.

Spannende Studienergebnisse

83 Prozent der Patientinnen und Patienten gaben dabei an, dass sie noch nie auf ihre Sexualität angesprochen wurden und 89 Prozent taten es auch nicht selbst. Bei den Ärzten und anderen Gesundheitsexperten gaben 86 Prozent an, dass Sexualität einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität hat. Es sind dann noch 69 Prozent, die auch über das Thema sprechen würden. Aber 49 Prozent der Gesundheitsexperten mieden das Thema komplett und 46 Prozent sprachen es nur sehr selten an. Prof. Dr. med. Claudia Steurer-Stey, Lungenfachärztin und zusammen mit Frau Kaba Dalla Lana Initiantin der Studie «SEXY-COPD», ergänzt: «Das grösste Hindernis ist der Umstand, dass die Fachpersonen nicht wissen, wie sie die Konversation starten könnten.» Weiter denkt der Grossteil der ärztlichen und nichtärztlichen Fachpersonen, dass sich die COPD-Betroffenen peinlich berührt fühlen oder religiös, kulturell oder anderweitig befangen sein könnten. Dass es sich dabei um Fehlannahmen handelt, wurde in der Studie klar gezeigt. Die Mehrheit der Betroffenen möchte über das Thema Sexualität sprechen. Wichtig dabei ist das Vertrauensverhältnis zur Fachperson. Das Team um Prof. Dr. Claudia Steurer-Stey entwickelt aus den gewonnenen Erkenntnissen nun einen «Türöffner», um die entspannte Kommunikation zum Thema Sexualität bei COPD zu starten und besser in die Praxis zu integrieren. Die Studie wurde von LUNGE ZÜRICH im Jahr 2019 mit einem Betrag von knapp CHF 30 000 finanziell unterstützt.


Im Expertenteam mitarbeiten

«Wir suchen Menschen mit COPD, die sich mit dem Thema Sexualität bei COPD befassen möchten und bei uns im Expertenteam mitarbeiten», sagt Steurer-Stey. In der gebildeten Taskforce wirken aktuell Fachexperten aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie, Sexologie und Psychologie mit. Die Lungenfachärztin fügt weiter an: «Intimität und Sexualität gehören zur Lebensqualität im gesamten Lebensspektrum. Es ist immer möglich, Lust zu empfinden. Allenfalls muss einfach die Art und Weise dem aktuellen Lebensumstand angepasst werden.»

 

Kontakt EBPI

Interessierte COPD-Patienten können sich für weitere Informationen und die Mitarbeit im Expertenteam an das EBPI der Universität Zürich wenden: claudia.steurer-stey@uzh.ch

 

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Zuletzt geändert:
4. November 2020