Tipps für psychische Gesundheit während der Pandemie

Der Körper und die Psyche sind bekanntlich eng miteinander verbunden. Wenn wir Stress ausgesetzt sind, schlägt unser Herz schneller.  Bei seelischem Stress werden Stresshormone ausgeschüttet, die sich auch auf den Körper auswirken. Im vergangenen Jahr wurde die Stressresistenz von uns allen auf die Probe gestellt. Homeoffice, Homeschooling, Unsicherheiten, weniger Reisen, aber vor allem die reduzierten Kontakte machten vielen zu schaffen. Es kann zeitweise schwerfallen, das Positive im Alltag zu sehen und den Fokus auf die guten Dinge zu richten. Daher haben wir bei zwei Personen nachgefragt, was sie im vergangenen Jahr gelernt haben, und was ihre Tipps für seelische Gesundheit sind. 

Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit

Wir möchten Sie zudem motivieren, uns Ihre Tipps oder Gewohnheiten mitzuteilen. Füllen Sie dazu dieses Formular aus. Was machen Sie in einer Situation in denen Ihnen alles zu viel wird? Vielleicht inspirieren Sie so jemand anderen, Ihre Idee oder Gewohnheit zu übernehmen. Die Antwortensammlung  werden wir hier laufend veröffentlichen. * 

Haben Sie ein neues Ritual / Routine während der Coronapandemie in Ihren Alltag aufgenommen?

Maya Spalinger: Eine Tagesstruktur beibehalten. Mein Morgenritual: Aufstehen. Kerzen anzünden. Kaffee machen. Einen Glückkeks öffnen. Seit Dezember erfreue ich mich jeden Morgen an den Sprüchen in den Glückskeksen. Den Spruch lese ich mir dann am Tag mehrmals bewusst durch. 

H. L.: Ich habe begonnen, zu Hause fixe Turnstunden einzubauen. Eine junge Frau, die coronabedingt keine Arbeit hat und sehr viel Yoga praktiziert, kommt seit April 2020 zweimal wöchentlich zu mir für Sitzyoga, mit Schwerpunkt auf der Atmung. Zudem «turne» ich auf einem Stuhl, wobei die gleichen Muskeln trainiert werden wie am Boden. Eine Win-win-Situation. Wenn es nicht zu nass ist, gehe ich zudem jeden Tag spazieren. Dazu habe ich meinen alten iPod wieder aktiviert. Je nach Laune höre ich Musik oder einen Podcast.

Was machen Sie, in Situationen, in denen Ihnen während der Pandemie alles zu viel wird?

Maya Spalinger: Seit März spaziere ich regelmässig zu drei Eseln (ja, den Tieren) und rede ihnen die langen Ohren voll. Ich merke, wie es mir guttut. Zudem sitze ich gerne am Bach, schauen dem Wasser zu, wie es fliesst und spüle meine Sorgen und Ängste mit dem Strom hinunter. Dies macht den Kopf und die Seele frei. 

H. L.: Ich höre sehr viel Radio. Die Musik tut mir gut. Ich habe ebenfalls begonnen, im Internet täglich «Word Blitz» und «Quiz Planet» zu spielen – gutes Gehirntraining! Es sind jedoch vor allem die Telefongespräche mit Freunden und der Familie, die mich jeweils wieder aufbauen.

Mut und Zuversicht nicht verlieren. Und, man darf und muss auch mal weinen.

Bei wem finden Sie Unterstützung? Wo holen Sie sich Kraft?

Maya Spalinger: Bei meinem Partner, Familie und Freunden, besonders den Samariter- / Feuerwehrkolleginnen und -kollegen. Wir sehen uns regelmässig in Zoom Videotelefonaten. Da bleibt auch Zeit, um sich über Privates auszutauschen. Die ganze digitale Telefonie war mir anfangs fremd, doch mit etwas Durchhaltewillen funktioniert nun alles. Ausserdem ist mein «Kraft-Ort» mein Team und meine Arbeit. Der Teamgeist und die gegenseitige Wertschätzung stellt mich auf, gibt mir enorm viel Kraft und ist heilsamer als jede Medizin!

H. L.: Ich lebe allein, habe aber das Glück, dass die im Ausland lebenden Kinder und Enkel täglich per FaceTime (Videotelefonie) anrufen. Mit meinen Freundinnen telefoniere ich ebenfalls täglich. Am Wochenende sehe ich jeweils eine oder zwei zum Spazieren oder gemeinsamen Essen – mit Distanz natürlich. Um meine Atemkrisen besser managen zu können und möglichst nicht ins Spital zu müssen, beziehe ich bei LUNGE ZÜRICH ein Privatcoaching. Welch ein Glück! Einmal im Monat ist ein Videotelefonietermin mit meinem Psychiater im Kalender eingetragen. So kriege ich zuvor unbekannte Ängste in den Griff. 

Haben Sie einen Tipp, weiterhin positiv in die Zukunft zu blicken?

Maya Spalinger: Mut und Zuversicht nicht verlieren. Und, man darf und muss auch mal weinen. Danach einfach wieder die Krone richten und weitergehen. Ich habe zudem eine Wunschliste erstellt, was ich nach Corona alles unternehmen möchte. Das heizt die Vorfreude an. 

H. L.: Bringen Sie zu Papier, was Sie an einem Tag alles erledigt haben. Beim Verfassen dieser Antworten hatte ich eine Offenbarung und das war für mich sehr wertvoll. Ich bin eigentlich sehr aktiv und kreativ, trotzdem dachte ich oft: «Schon wieder ein Tag vergangen und nichts gemacht.» Doch es sind nicht die grossen Dinge, wie Reisen, Einladungen, u.a., die uns zufrieden machen, es sind die kleinen Dinge im Alltag. Momente des Glücks! Und das haben wir selbst in der Hand!  

Haben Sie während der Pandemie eine neue Leidenschaft entdeckt?

Maya Spalinger: Basteln und allgemein kreativ tätig sein. Ich habe zum Beispiel einem Freund zum 75. Geburtstag ein Geschenkpaket mit extra viel Konfetti (natürlich loose) darin geschickt. 

H. L.: Ich habe mir für den Sommer meinen Balkon gemütlich gestaltet: Zwei neue Laternen, etwas Deko, eine kuschelige Decke und schon hatte ich ein zweites Wohnzimmer, wohin ich auch mal Freunde einladen konnte. Für den Winter habe ich mir vor der Küche mein «Mini-Winterplätzchen» eingerichtet: Zwei Lammfelle auf den Stühlen, zwei Decken, viele Kerzen, ein Heizstrahler – der ideale Frischluftplatz für zwei Personen. Und warum nicht mal ein Fondue am Mittag zu zweit im Freien?! Macht echt Spass!

 

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*Die Antworten werden vor Veröffentlichung anonymisiert (Bsp. «A. B. aus Wallisellen» ). Zudem prüft LUNGE ZÜRICH den Inhalt vor Veröffentlichung sorgfältig und publiziert nur passenden Inhalt. Das heisst, es werden keine verletzende, beleidigende oder anzügliche Kommentare freigegeben.

 

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Zuletzt geändert:
1. Februar 2021